Der Weg ins Leben

 

Prolog

In diesem Augenblick erschien der Fuchs:
┬╗Guten Tag┬ź, sagte der Fuchs.
┬╗Guten Tag┬ź, antwortete h├Âflich der kleine Prinz, der sich umdrehte, aber nichts sah.
┬╗Ich bin da┬ź, sagte die Stimme, ┬╗unter dem Apfelbaum…┬ź
┬╗wer bist du?┬źsagte der kleine Prinz. ┬╗Du bist sehr h├╝bsch…┬ź
┬╗Ich bin ein Fuchs┬ź, sagte der Fuchs.
┬╗Komm und spiel mit mir┬ź, schlug ihm der kleine Prinz vor. ┬╗Ich bin so traurig…┬ź
┬╗Ich kann nicht mit dir spielen┬ź, sagte der Fuchs. ┬╗Ich bin noch nicht gez├Ąhmt!┬ź
┬╗Ah, Verzeihung!┬ź, sagte der kleine Prinz. Aber nach einiger ├ťberlegung f├╝gte er hinzu: ┬╗Was bedeutet das: ÔÇśz├ĄhmenÔÇÖ?┬ź
┬╗Das ist eine in Vergessenheit geratene Sache┬ź, sagte der Fuchs. ┬╗Es bedeutet: sich ÔÇśvertraut machenÔÇÖ.┬ź
┬╗Vertraut machen?┬ź
┬╗Gewi├č┬ź, sagte der Fuchs. ┬╗Du bist f├╝r mich noch nichts als ein kleiner Knabe, der hunderttausend kleinen Knaben v├Âllig gleicht.
Ich brauche dich nicht, und du brauchst mich ebenso wenig. Ich bin f├╝r dich nur ein Fuchs, der hunderttausend F├╝chsen gleicht.
Aber wenn du mich z├Ąhmst, werden wir einander brauchen.
Du wirst f├╝r mich einzig sein in der Welt. Ich werde f├╝r dich einzig sein in der Welt…┬ź

Auszug aus “Der kleine Prinz” von Antoine de Saint-Exup├ęry

 

 

Der Weg ins Leben

 

Nun ist es also passiert, ein Welpe ist bei Ihnen eingezogen. Vielleicht ist es nicht Ihr erster Hund, Sie wollen diesmal alles richtig machen, von Anfang an. Oder aber Sie haben Neuland betreten. Wenn ich mir heute Fotos meiner Hunde aus ihrer Welpenzeit anschaue, so wird mir ganz warm und wehm├╝tig ums Herz. Diese Zeit ist wahnsinnig anstrengend und Kraft raubend. Und doch – sie geht viel zu schnell vorbei. Deswegen m├╝ssen Sie diese Zeit nutzen.



Der Weg ist das Ziel ÔÇô aber wohin?

Was genau w├Ąre denn ein lohnenswertes Ziel??
Die meisten Hundehalter geben an erster Stelle an:
“Mein Hund soll lernen, zu gehorchen, wenn ich was sage” – oder so ├Ąhnlich.

Aus diesen Worten spricht Angst, die Angst, aufzufallen, und zwar unangenehm. Unsere Gesellschaft verlangt von Hundehaltern, dass Hunde sich v├Âllig unauff├Ąllig verhalten, am besten unsichtbar sind. Es gibt unz├Ąhlige Gesetzte, mit denen Sie als Hundehalter – schneller als die Polizei erlaubt – in Konflikt geraten k├Ânnen, ganz abgesehen von den b├Âsen Blicken der Mitmenschen.

Da scheint die Arbeit am zuverl├Ąssigen Gehorsam des Hundes doch die richtige Strategie zu sein.

Aber ist das wirklich so?

Ein absoluter Gehorsam des Hundes ist aber überhaupt nicht zu erreichen. Hunde sind Lebewesen, sie haben Wünsche, Ängste, sind manchmal schlecht drauf.

Die Gehorsamkeit des Hundes als prim├Ąres Ziel um jeden Preis macht den Weg frei f├╝r Gewalt im Umgang mit dem Hund, und damit meine ich Gewalt im weiteren Sinne. Gewalt aber ist die Hauptursache von Problemverhalten, von Missverst├Ąndnissen und nicht zuletzt von Aggressionsverhalten, auch in der eigenen Familie. Gewalt macht Angst und Angst macht aggressiv.

Da muss es also noch etwas Anderes geben. Schlagw├Ârter wie “Bindung”, “Rangordnung”, “Rudelf├╝hrung” prasseln auf uns ein. Aber jeder scheint sich seine eigenen Definitionen gerade so┬ázurecht zu legen, wie er es braucht, um seine eigenen Umgang mit dem Hund zu rechtfertigen.

Zunehmend treffe ich auf verunsicherte Hundehalter, die scheinbar orientierungslos zwischen ihrem eigenen Bauchgef├╝hl, dem Druck der Gesellschaft, gut gemeinten Ratschl├Ągen von scheinbaren Fachleuten wie Nachbarn ,Verwandten, Tier├Ąrzten oder Z├╝chtern, Fachwissen von Hundetrainern oder Tipps aus Fernsehsendungen und B├╝chern, herumirren.

Und nun gebe ich auch noch meinen Senf dazu.

Dabei gibt es nur zwei Ratschl├Ąge, die ich Ihnen geben will:

1. Jeder Hund ist anders.
Machen Sie sich mit Ihrem Hund vertraut, lernen Sie ihn kennen und verstehen. Beobachten Sie ihn, wie er mit Alltagssituationen umgeht, und bauen Sie auf ihren Beobachtungen Ihre jeweilige Vorgehensweise auf.

    • Es kann Situationen geben, da braucht der Hund Schutz.
    • Es kann Situationen geben, da braucht er einen Schluck Mut.
    • Es kann Situationen geben, da braucht er Zeit und Raum.
    • Es kann Situationen geben, da sollte er sich an Ihnen orientieren.


2. Machen Sie sich frei, frei vom Erwartungsdruck, den Sie dann doch nur an den Hund weiter geben.

Es kann nur ein Ziel im Umgang mit dem Hund geben:
Einen Hund, wenn er erst einmal erwachsen ist, der selbstbewusst und souver├Ąn mit Ihnen gemeinsam durch das Leben geht, der mit Ihnen Spa├č hat und mit dem Sie Spa├č haben, der sich an Ihnen orientieren darf, wenn es schwierig wird, der sich auf Sie verlassen kann.

Grundvoraussetzung daf├╝r ist, dass Sie Ihrem Hund Respekt entgegen bringen.
Heute kann ich, ohne rot zu werden, behaupten, dass meine beiden Hunde absolut zuverl├Ąssig in ihrem Sozialverhalten Menschen und anderen Hunden gegen├╝ber sind. Egal was f├╝r Hunde wir treffen, ich werde niemals bef├╝rchten m├╝ssen, dass meine Hunde sich unsozial verhalten. Ich kann ihnen vertrauen.


Umgekehrt ist es genauso. Meine Hunde wissen, dass sie sich auf mich verlassen k├Ânnen. Ich werde sie nie bewusst Situationen aussetzen, die f├╝r sie ausweglos sind bzw. sie ├╝berfordern. Sie k├Ânnen mir vertrauen.

Der gegenseitige Respekt und dieses gegenseitige Vertrauen ist der Schl├╝ssel zu einer gesunden Mensch – Hund – Beziehung. Aber so etwas f├Ąllt nicht vom Himmel und ist kein Selbstl├Ąufer:

Ein Jeder muss es sich jeden Tag neu verdienen.

Ich m├Âchte Ihnen hier keine Gebrauchsanweisung in die Hand geben, aber vielleicht etwas Orientierung.
Hunde sind Individuen, jeder Hund stellt uns vor neue Herausforderungen.
Machen Sie sich auf eine Entdeckungsreise, machen Sie sich vertraut mit Ihrem Hund.

 

Der Hund im Alltag

Hunde in unserer Gesellschaft haben eine gro├če B├╝rde zu tragen. Die wenigsten von ihnen haben noch eine artgerechte Aufgabe wie H├╝ten, Suchen oder Jagen. Meistens sind Hunde heute “nur” noch Familienhunde, sie sind Sozialpartner, Kindersatz oder Trostspender. Diese Aufgaben zu erf├╝llen, ist viel schwerer, als die meisten Hundehalter glauben, und deswegen m├╝ssen die Hunde gut auf ihr Leben vorbereitet werden.

Ziel Ihrer Bem├╝hungen sollte ein ausgeglichener, souver├Ąner, selbstbewusster und sozial sicherer Hund sein.
Das Fundament hierf├╝r legen Sie schon vom ersten Moment an, in dem der kleine Kerl bei Ihnen eingezogen ist.(Diese Darstellung ist etwas unvollst├Ąndig. Eigentlich beginnt dieser Weg schon mit der Wahl der Rasse bzw. der beteiligten Rassen und der Wahl des Z├╝chters. Lesen Sie dazu den Men├╝punkt “Beratung vor dem Welpenkauf”.)

 

Die Zauberworte hei├čen: Geduld, Respekt, liebevolle Konsequenz und Sicherheit.

 

Von Beginn an sollte sich Ihr Hund bei Ihnen geborgen und zu Hause f├╝hlen.

    • Er muss sich in Gefahrensituationen (die er selbst als gef├Ąhrlich einsch├Ątzt) auf Sie verlassen k├Ânnen, weil er sich sonst im Stich gelassen f├╝hlt und / oder sonst f├╝r seine Sicherheit selbst sorgen wird.
    • Er muss f├╝r einige Probleme auch mal selbst eine L├Âsung finden d├╝rfen. Sie tun ihrem Hund keinen Gefallen, wenn er immer alle Schwierigkeiten aus dem Weg ger├Ąumt bekommt.
    • Seine Bed├╝rfnisse m├╝ssen wahrgenommen werden.
    • Er muss Hund sein d├╝rfen, aber auch gleichzeitig Regeln erlernen, die das Zusammenleben mit Menschen betreffen.


Es ist eine schwierige Aufgabe, den Grad zwischen zu sehr beh├╝ten (und junge Welpen verleiten durch das Kindchenschema sehr dazu) und “auch mal eine L├Âsung finden lassen” auszuloten. Aber genau das ist Ihre Aufgabe.

Die Regeln des Zusammenlebens m├╝ssen SIE aufstellen, denn SIE sind der Mensch, und der Hund soll sich der menschlichen Gesellschaft anpassen. Aber das tun Hunde gerne, so lange Freiraum und Grenzen sich die Waage halten.

Der Kernpunkt dieser Angelegenheit ist aber, dass Sie sich selbst auch an diese Regeln halten m├╝ssen.



Die ersten Schritte in das neue Leben:

Der sichere Schlafplatz

Kleine Hunde erleiden Todes├Ąngste, wenn man sie nachts irgendwo alleine wegsperrt, manche jammern laut, andere leiden still vor sich hin, aber alle leiden. Wenn sie das so handhaben, haben sie den ersten Verlust an Vertrauen und Sicherheit bei ihrem Hund.

Die meisten Hunde werden so mit acht bis neun Wochen vom Z├╝chter geholt. Zu diesem Zeitpunkt sind die Kleinen noch richtige Hundebabys, sie werden aus ihrer vertrauten Umgebung heraus gerissen und erleiden eine Art Kulturschock. Es ist nun Ihre Aufgabe, diese ersten, so wichtigen Wochen m├Âglichst stressarm zu gestalten.

Lassen sie den kleinen Kerl nicht alleine, kleine Hunde kennen so etwas nicht. Besonders nachts brauchen die Kleinen das Gef├╝hl der Geborgenheit und Sicherheit.

Am besten ist es, wenn Sie f├╝r den Welpen so eine Art Schlafkiste haben und wenn Sie in der unmittelbaren N├Ąhe schlafen. Polstern Sie diese Kiste weich aus, und legen Sie ruhig ein paar getragene Kleidungsst├╝cke von sich mit dazu.

Oft habe ich auch nachts eine Hand am Hund gehabt, damit er sich nicht so alleine f├╝hlt. Sobald es in der Nacht anf├Ąngt zu rappeln, ist es ein Zeichen, dass man schnell eine Wiese oder so was aufsuchen muss … schnell schnell rein in die Pantoffeln … Das ist auch der Sinn der Kiste, ein Hund macht sich so bemerkbar, wenn er “raus muss”.

 

Einem Hund, der sich von Anfang an geborgen und sicher f├╝hlt, f├Ąllt es sp├Ąter auch leichter zu lernen, eine gewisse Zeit alleine zu bleiben. (Und das sollte er unbedingt lernen.)
Sp├Ąter, wenn die erste schwere Zeit ├╝berstanden ist, wenn der kleine Kerl nachts durchschl├Ąft und er sich eingelebt hat, kann man die n├Ąchtliche Intensivbetreuung lockern.

 

Wo dann der sp├Ątere Schlafplatz ihres Hundes sein wird, m├╝ssen Sie selbst entscheiden. Manche Hunde schlafen mit im Bett, im Schlafzimmer auf einem eigenen Schlafplatz oder an einem bestimmten Platz in der Wohnung. Das ist dann eine Frage des eigenen Geschmacks. Es ist sp├Ąter kein Problem, mit Konsequenz die Hunde aus dem Bett oder aber aus dem Schlafzimmer zu verbannen.

Meine Hunde d├╝rfen nachts ihren Schlafplatz frei w├Ąhlen, sie d├╝rfen auch mal zum Kuscheln mit ins Bett, denn es war noch nie ein Problem, sie wieder raus zu schicken.

 

Das soll jetzt keine Anweisung sein, dass Sie den Hund mit in ihr Bett nehmen. Es soll ein Pl├Ądoyer gegen eine zu fr├╝hzeitige Vereinsamung sehr junger Hunde sein, gegen den sehr gedankenlosen Satz: “Die sollen sich von Anfang an daran gew├Âhnen!” sein. Welpen von 8 -10 Wochen haben aus ethologischer Sicht einfach noch nicht die entsprechende Reife daf├╝r, von einem Tag auf den Anderen alleine zu sein.

 

Sie sollten aber wissen, dass regelm├Ą├čiges, enges Kontaktliegen hundetypisch ist. Dabei wird das Hormon Oxytocin ausgesch├╝ttet, das Hormon der Bindung und der inneren Sicherheit. Hunde sind hoch soziale Lebewesen, die im Laufe ihrer Domestikation den Menschen als Sozialpartner allen anderen vorziehen, sogar ihren eigenen Artgenossen. Nur muss dann der Mensch sich auch als verl├Ąsslicher Sozialpartner zur Verf├╝gung stellen.



Kevin allein zu Haus

Wichtig ist, dass der Neuank├Âmmling die ersten zwei bis drei Wochen ├╝berhaupt nicht alleine gelassen wird. Sie sollten deswegen unbedingt Urlaub nehmen, wenn Sie sich einen Welpen ins Haus holen. Sollten Sie wichtige Dinge zu erledigen haben, wohin sie der Hund nicht begleiten kann, so sollte unbedingt ein Babysitter organisiert werden.

Wenn sich der Welpe so nach zwei Wochen einigerma├čen eingelebt hat, beginnen Sie vorsichtig mit dem Training.

Fangen Sie zun├Ąchst an, den Hund zeitweise ├╝berhaupt nicht mehr zu beachten, es gibt schlie├člich genug zu tun. Der Hund soll nicht st├Ąndig hinter ihnen hertappern m├╝ssen, weil er Angst haben muss, einen Moment der Zuwendung zu verpassen. Nein, er ist ab und zu mit zunehmender Zeitspanne einfach Luft, gar nicht vorhanden.
Das Ignorieren des Hundes soll hier keine Strafe f├╝r irgendetwas darstellen, sondern Ihrem Hund helfen, sich auch w├Ąhrend Ihrer Anwesenheit entspannen zu k├Ânnen.

Vorsicht Falle

Passen Sie auf, dass Sie nicht st├Ąndig reagieren, wenn der Hund Bl├Âdsinn macht. Nicht beachten hei├čt, nicht beachten, Punkt. Die lieben Kleinen lernen sonst ganz schnell, wie man Frauchens / Herrchens Aufmerksamkeit zu 100% bekommt. R├Ąumen Sie wertvolle Dinge wie Schuhe, Kinderspielzeug usw. erst einmal au├čer Reichweite des Hundes.

Gehen Sie mal spontan aus dem Zimmer, schlie├čen Sie kurz die T├╝r hinter sich – und ehe das Hundekind Panik bekommt, sind Sie schon wieder da.

 

Das alles geschieht so, ohne dem Welpen auch nur ansatzweise Beachtung zu schenken, weder beim Weggehen noch beim Zur├╝ckkommen. Der Hund soll lernen, dass Weggehen nichts Besonderes ist.

 

Dehnen Sie langsam die Zeiten des “Nicht – Vorhanden – Seins” aus, verlassen Sie auch mal die Wohnung durch die Haust├╝r. Wenn die Zeiten l├Ąnger werden, sollten Sie darauf achten, dass der Hund zu diesem Zeitpunkt rundum zufrieden – also satt und m├╝de – ist, dann geht’s einfacher.

Noch einmal zusammengefasst:

 

    • dehnen Sie die Zeit, in der der Hund alleine gelassen wird, langsam aus;
    • auch wenn Sie da sind, beachten und kommentieren Sie den Hund nicht st├Ąndig, er muss auch in Ihrer Anwesenheit zur Ruhe kommen k├Ânnen;
    • weder beim Weggehen noch beim Wiederkommen sollte der Hund beachtet werden;



Die Flummis

Die meisten Menschen freuen sich ├╝ber Welpen, und es macht ihnen auch nichts aus, von den kleinen Hundebabys angesprungen zu werden. Sie werden bet├╝telt und gestreichelt – die sind ja sooo niedlich. Aber wehe wenn aus dem Zwerg mal ein 40 – Kilo Hund wird…

Hunden das Menschen – Anspringen abzugew├Âhnen ist relativ einfach, erfordert keinerlei k├Ârperliche Strafma├čnahmen aber ein gewisses Ma├č an Durchhalte- und Durchsetzungsverm├Âgen – besonders anderen Menschen gegen├╝ber.

 

Hunde springen uns Menschen an, weil sie so in Kontakt zu uns treten wollen.

Sie wollen, dass wir sie beachten: “Hallo, ich bin da!”

Es ist ein Verhalten, welches angeboren ist. Kleine Hunde springen alles und jeden an, den sie toll finden.

Zun├Ąchst einmal sollten Sie froh dar├╝ber sein, wenn Ihr Hund das auch bei fremden Menschen macht, zeigt es doch, dass er keine Angst vor ihnen hat. Es ist nichts schwieriger, als mit einem ├Ąngstlichen Hund umzugehen.
Na gut, da haben wir nun einen kleinen Kerl mit guter Laune, aber er soll nicht hoch springen.

 

Was soll er stattdessen tun?

Er soll mit allen vier Pfoten am Boden bleiben, ganz einfach.
Sobald eine Pfote den Boden verl├Ąsst, wird jegliche soziale Zuwendung unterbrochen. Dazu z├Ąhlt auch Schimpfen, Wegschieben, Wegschubsen – auch das ist soziale Zuwendung, wenn auch negative.
Das Zauberwort hei├čt hier :”Be a tree” – “Sei ein Baum”.

Ein Baum redet nicht, er bewegt sich nicht, er steht einfach nur in der Gegend rum und ist langweilig.

 

Viele Hundehalter meinen, dass sie das ja schon so machen und dass es nichts n├╝tzen w├╝rde. Aber wenn ich das dann mal beobachte, sehe ich, dass das nicht richtig gemacht wird. Da wird mit den Armen / H├Ąnden geschlenkert, da geht man noch einige Schritte …┬á

Richtig ist:

SOFORT, wenn der Hund auch nur eine Pfote vom Boden hebt, verschr├Ąnken Sie die Arme ├╝ber Kreuz vor dem Brustkorb, drehen sich weg vom Hund und stehen still, richtig still. Sobald der Hund wieder alle Pfoten am Boden hat, wird er sachte gelobt.

 

├ťbrigens – auch Hunde kleiner Rassen k├Ânnen lernen, am Boden zu bleiben. Hunde wollen durch Hochspringen Beachtung finden, lernen nun aber, dass sie mit ihrem Verhalten keinen Erfolg haben. Gleichzeitig lernen Sie, auf andere Art und Weise Beachtung zu finden, n├Ąmlich indem sie die Pfoten unten lassen.

 

Ich pers├Ânlich habe die Regel eingef├╝hrt, dass ich als stehender Mensch nicht angesprungen und abgeschlappert werden will, hocke ich mich aber zu ihnen hin, so d├╝rfen sie … fast alles … wenn es mir zu viel wird, gibt es die Ank├╝ndigung “Schluss” und ich stehe auf.

 

Viel schwieriger ist es, den Hunden das Anspringen von anderen Menschen abzugew├Âhnen. Der Grund daf├╝r ist schlicht und ergreifend der, dass sich fremde Menschen einfach nicht an die erforderlichen Regeln halten wollen oder k├Ânnen. Es w├Ąre deswegen wirklich nicht fair, den Hund f├╝r das Fehlverhalten der Menschen zu bestrafen.

 

Folgende Tipps m├Âchte ich Ihnen mit auf den Weg geben:

  1. ├ťben Sie von Anfang an mit Ihrem Hund, dass es auch m├Âglich ist, an Menschen, denen man drau├čen begegnet, vorbei zu laufen. Man muss nicht jeden Menschen begr├╝├čen. Zu diesem Zweck bewaffnen Sie sich mit Leckerchen, wenn n├Âtig leinen Sie den Hund an. Sobald ein Mensch auftaucht, sprechen Sie Ihren Hund an. Belohnen Sie ihn reichlich daf├╝r, dass er Sie beachtet. Das wird so lange fortgesetzt, bis der Mensch nicht mehr von Interesse ist.

  2. Hat sich Besuch angek├╝ndigt, legen Sie etwas bereit, mit dem Ihr Hund l├Ąnger besch├Ąftigt sein wird wie: einen gef├╝llten Kong, einen Kauartikel, einen riesigen Kalbsgelenkknochen, einen Wrobbler oder einen Buster Cube, eine verknotete Jeanshose mit Leckerchen pr├Ąpariert … Nachdem es geklingelt hat, bekommt der Hund seine Besch├Ąftigung pr├Ąsentiert, notfalls den Hund sichern (anleinen), dann erst den Besuch herein lassen. Bitten Sie Ihren Besuch eindringlich, den Hund NICHT zu beachten (jedenfalls die ersten 10 Minuten nicht). Ansonsten gelten die bekannten Regeln.

 

Unbelehrbare Menschen gibt es immer wieder, aber da lass ich den Hund dann auch springen. Hunde lernen sehr schnell, mit wem sie es machen k├Ânnen und mit wem nicht.

Es ist durchaus m├Âglich, Hunden das Hochspringen zu erlauben, dann aber auf Signal hin.

 

Die Schnappschildkr├Âten

Immer wieder fragen mich besorgte Welpenbesitzer, warum ihr neuer kleiner Freund ihnen st├Ąndig mit Begeisterung in alle m├Âglichen K├Ârperteile bzw. Kleidungsst├╝cke zwickt, und ob das normal sei.

 

Dazu gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht.

Zun├Ąchst einmal die gute Nachricht: Alle Hundekinder tun das: Sie zwicken mit ihren spitzen Welpenz├Ąhnen in unsere H├Ąnde, Hosenbeine, zerrei├čen T – Shirts, & ├ärmel, h├Ąngen an Schn├╝rsenkeln herum … Ihr Welpe ist also nicht besonders gef├Ąhrlich oder dominant, er ist nur ein kleiner Hund, der seine Welt entdeckt – eben auf Welpenart.
Dass die Welpenz├Ąhne so extrem spitz und somit gut zu sp├╝ren sind, liefert genau DEN Grund – es soll das Trainieren einer guten Bei├čhemmung unterst├╝tzen.

 

Nun zur schlechten Nachricht: Es w├Ąchst sich nicht von alleine aus. Wenn Sie ungeeignete oder gar keine Gegenma├čnahmen ergreifen, so wird dieses Problem eventuell die Grundlage vieler weiterer Missverst├Ąndnisse auf dem nun folgenden, gemeinsamen Lebensweg bilden.

 

Es ist also normal, dass ihr Welpe Sie zwickt. Doch ist es Ihre Verantwortung und Aufgabe, Ihrem Hund menschliche Regeln nahe zu bringen. Und das sollte so geschehen, dass Ihr Hund diese Regeln versteht und gleichzeitig nicht sein Vertrauen zu Ihnen verliert, denn dieses Vertrauen ist Basis jeglicher Be- und Erziehung, jedenfalls so, wie ich sie vertrete.

 

Ein erwachsener (gr├Â├čerer) Hund kann ohne Anstrengung einen menschlichen Knochen durchbei├čen. Gleichzeitig ist es so einem Hund aber durchaus m├Âglich – vorausgesetzt, dass er es gelernt hat – die Kraft seiner Kiefermuskulatur genau zu dosieren.

 

Ziel der zu ergreifenden Ma├čnahmen ist deswegen eine verl├Ąssliche Bei├čhemmung gegen├╝ber der menschlichen Haut und den sie umgebenden Bekleidungsst├╝cken. Das h├Ârt sich zun├Ąchst einmal komisch oder umst├Ąndlich an, doch wenn Sie als Hundehalter Ihrem Hund Regeln des menschlichen Zusammenlebens nahe bringen wollen, so m├╝ssen Sie diese zuerst einmal f├╝r sich selbst klar definieren.



Diese Regel lautet unumst├Â├člich:

Das Einritzen der menschlichen Haut mit den Z├Ąhnen einschlie├člich der sie umgebenden Textilien ist absolut tabu.

Plan A
Plan A ist die bevorzugte Vorgehensweise. Sie ist┬áf├╝r beide Seiten am wenigsten anstrengend, aber absolut wirksam. Sobald ihr Welpe, z. B. im Spiel oder wenn Sie ihn streicheln, die festgesetzte Grenze ├╝berschreitet, sagen Sie SOFORT ein bestimmtes Wort wie “Schluss” oder “Nein”, welches die folgende Aktion ank├╝ndigt.

Es ist absolut wichtig, dass

    • Sie dieses Wort v├Âllig emotionslos – also in keinster Weise aufgeregt oder w├╝tend – von sich geben
    • Sie immer das gleiche Wort benutzen
    • Sie immer das Spiel an dieser Stelle unterbrechen und nicht nur, wenn Sie Lust dazu haben
    • das Wort nur einmal gesagt wird

 

Gleich darauf brechen Sie jegliche Interaktion mit dem Welpen ab, kein Wegschieben, Wegschubsen, Lamentieren, Herumfuchteln – nichts. Sie wenden sich einfach vom Hund ab, bewegen sich nicht und reden nicht. Sie kennen das schon:”Be a tree”. Sobald er inne h├Ąlt, sich etwas beruhigt hat oder dergleichen, wenden Sie sich ihm wieder zu und loben ihn.

Das Wort, welches als Ank├╝ndigung der folgenden Strafe (Abbruch der sozialen Zuwendung) benutzt wird, dient dem Hund als Br├╝ckensignal zwischen seinem eigenem Tun und Ihrer Grenzsetzung und wird somit zuk├╝nftig- richtig angewendet – zum Abbruchsignal.

 

Plan B
Plan B tritt in Kraft, wenn der Hund zu hoch gedreht ist, um Ihren Abbruch noch mitzubekommen. Das passiert meistens, wenn Sie zu heftig oder zu lange mit Ihrem Hund gespielt haben. Oft ist es auch so, dass Welpen so “ihre 5 Minuten” haben, wo sie scheinbar auf Knopfdruck v├Âllig freidrehen.

 

Hinweis:
Gibt es eine bestimmte Tages – oder sogar Uhrzeit, zu der Ihr Hund regelm├Ą├čig ├╝berdreht ist? Dann sollten Sie es so einrichten, dass Sie genau in diese Zeit einige Besch├Ąftigungsideen einbauen wie z. b. Futter- oder Spielzeug – Suchspiele. Vom “geistlosen” Tobe- oder Ballwurf – Spielen m├Âchte ich absolut abraten, da diese die Hunde eher hochdrehen als auslasten.

 

Zur├╝ck zu Plan B

… der tritt in Kraft, wenn Sie sich abwenden und der kleine Teufel zwickt und zerrt unbeeindruckt weiter an Ihnen herum. Auch hier d├╝rfen Sie immer noch nicht sauer werden. Sie sagen Ihr Zauberwort und schnappen sich schnell und ohne gro├čes Tamtam Ihre Nervens├Ąge und tun sie / ihn aus dem Zimmer – T├╝r zu. Sollte es taktisch g├╝nstiger sein, so k├Ânnen Sie auch selbst das Zimmer verlassen. Die Hauptsache ist, dass es eine r├Ąumliche Trennung zwischen sich und ihrem Hund gibt. Peng, Klappe zu – Affe tot.

Auch hier gilt es wieder zu beachten, dass:

    • Sie dieses Wort v├Âllig emotionslos – also in keinster Weise aufgeregt oder w├╝tend – von sich geben
    • Sie immer das gleiche Wort benutzen
    • das Wort nur einmal gesagt wird
    • und das “vor die T├╝r setzen” muss sehr schnell und ohne Gerangel geschehen mu├č



Die T├╝r wird erst wieder ge├Âffnet, wenn sich das kleine Biest beruhigt hat. Wenn Sie die T├╝r ├Âffnen und ES schie├čt wieder auf Sie zu … “Schluss” und T├╝r wieder zu.

Hinweis:
Wilde, k├Ârperlich betonte Raufspiele (nach meiner Erfahrung spielen die besonders m├Ąnnliche Familienmitglieder gerne) sollten Sie zun├Ąchst unterlassen und mit einigen Hundetypen sollten die ganz unterbleiben. Der Hund w├╝rde dadurch nur lernen, dass man mit Menschen grob umgeht, ohne vorher die Umgangsregeln gelernt zu haben. Mit den meisten Hunden ist es sp├Ąter absolut m├Âglich, wild herum zu kampeln, da man dann dem Hund mittels Abbruch jederzeit signalisieren kann, wann es zu doll wird.

 

Um die Fairness zwischen Mensch und Hund zu gew├Ąhrleisten, sollte hier an dieser Stelle noch Folgendes erw├Ąhnt sein:

    • jeder Hund hat sein eigenes “Stressniveau”, d.h. Sie m├╝ssen beobachten und herausfinden, wie lange und wie doll ihr Hund spielen kann, ohne “abzudrehen”.
    • Bleiben Sie immer unter dieser Grenze
    • planen Sie nach wilden Spielen immer gezielte Entspannung ein, Massagen sind dazu gut geeignet
    • unausgelastete Hunde machen Probleme … den Hund st├Ąndig daf├╝r zu bestrafen, dass er zu viel alleine und deswegen schnell gestresst ist, ist nicht fair!



Haltet den Dieb!!!

Es kommt vor, dass Hunde und insbesondere Welpen, Dinge wie Schuhe, Handys, Gie├čkannen … finden. Ja, Dinge werden gefunden, nicht geklaut.

 

Denn:
Dinge, die einfach so irgendwo liegen (Hunde haben kein Empfinden f├╝r schicke Deckchen auf Couchtischen) geh├Âren aus Hundesicht niemandem, also kann man die sich nehmen und untersuchen.

Und was macht man, wenn man nicht m├Âchte, dass jemand Dinge “findet”, um sie dann zu “untersuchen”??
Man r├Ąumt sie vorher weg, unerreichbar f├╝r die kleinen Burschen. Irgendwann kann man dann wieder seine Schuhe einfach mal stehen lassen. Diese Zeitspanne ist nicht unendlich und somit ist dies eine zumutbare Ma├čnahme.

 

Es kann ja trotzdem mal vorkommen, dass der kleine Bursche pl├Âtzlich mit den, mit Diamanten besetzten, Sportsocken im Maul gesichtet wird.
Machen Sie nicht das Vertrauen des Hundes kaputt, indem Sie schreiend auf ihn zu rennen und ihm mit aller Macht seinen Schatz einfach entrei├čen (wollen), wom├Âglich noch begleitend mit einer k├Ârperlichen Z├╝chtigung.



Was k├Ânnte der Hund aus einer derartigen Vorgehensweise lernen?

  1. Wenn ich was gefunden habe, muss ich mich damit verstecken, sonst werde ich entdeckt und man nimmt mir meinen Fund ab;
  2. Wenn ich was gefunden habe, muss ich schnell damit wegrennen … wenn mein Mensch kommt, nimmt er mir immer alles weg, was ich finde;
  3. Wenn ich was gefunden habe und mein Mensch kommt, mache ich mich mal schon verteidigungsbereit, denn gleich gibt es Ärger;
  4. Wenn ich was gefunden habe, macht mein Mensch gleich ein lustiges Fangespiel mit mir
  5. Wenn mir mal langweilig ist, nehme ich mir einen Schuh, zeige es meinem Menschen und schon wird es lustig;

 

Die schlaueste Vorgehensweise w├Ąre nun, sich etwas zu suchen, irgendetwas, was dem Hund ├╝berlassen werden kann (einen alten Schuh o. ├Ą.), nicht auf den Hund zu achten, sondern sich ├╝bertrieben mit dem Tauschobjekt zu befassen … nach dem Motto:” Oh, was hab ich hier f├╝r einen tollen Schatz”. 99 von 100 Hunden werden nun neugierig n├Ąher kommen und das Korpus Delikte achtlos fallen lassen. Sie aber werden ein Spiel anfangen, das Tauschobjekt noch interessanter machen, werfen etc.
Dann, wenn der Hund sich begeistert dem neuen Objekt widmet, holen Sie sich ihr Diamantenteil.

Die Zweitbeste Variante ist, einfach mit Futter zu tauschen.




Die Pissnelken

Eine liebe Kollegin von mir hat mal gesagt: “Die meisten Hunde werden nicht wegen sondern trotz Ihrer Besitzer stubenrein”.

Kleine Hundebabys, im Alter von acht bis zehn Wochen, k├Ânnen ihre Schlie├čmuskeln noch nicht kontrollieren.

Es gibt nur zwei grundlegende Regeln, um Ihren Hund stubenrein zu bekommen:

    • Sie m├╝ssen schnell sein und┬á
    • Sie m├╝ssen ÔÇ×esÔÇť im Auge behalten

 

Meistens “m├╝ssen” die Hunde nach dem Schlafen und nach dem Essen, aber so manch ein Lebensk├╝nstler tut es auch ├Âfter. Man erkennt es recht schnell daran, dass die Hunde anfangen, zu suchen, evtl. sich im Kreis zu drehen, unruhig werden …dann muss man schnell sein.

Und wenn mal was daneben geht – egal, niemals wird ein Hund daf├╝r bestraft.
Gehen Sie in regelm├Ą├čigen Abst├Ąnden – je nach Hund auch wenn es sein muss alle 10 Minuten – mit ihm raus, auf ein St├╝ck Wiese, dorthin, wo der richtige Untergrund ist.

Loben Sie ihren Hund daf├╝r ausgiebig, wenn er sich vers├Ąubert hat. Manch einer gibt seinem Hund dann auch ein Leckerchen, aber ob das hilft, wei├č ich nicht.
Wie schnell ein Hund stubenrein wird, ist von Hund zu Hund unterschiedlich. Die H├╝ndin einer Kollegin hat daf├╝r 8 (!!!) Monate gebraucht. ├ťben Sie sich einfach in Geduld und freuen Sie sich, wenn es schnell geht.



Die Nervens├Ągen

Kleine Hunde sind nervig. Entweder sie schlafen oder sie stellen Bl├Âdsinn an.

Die gr├Â├čten Fehler,die Sie machen k├Ânnen:

 

  1. Sie rennen st├Ąndig hinter Ihrem Hund her und versuchen ihm etwas wegzunehmen, was er “geklaut” hat; (Hunde klauen nicht, sie finden)
  2. Sie schimpfen st├Ąndig mit Ihrem Hund, weil er wieder Bl├Âdsinn anstellt
  3. Sie beachten Ihren Hund nicht, wenn er mal “brav” ist



Statt sich als Spa├čverderber zu etablieren, machen Sie lieber Folgendes:

 

    • r├Ąumen Sie alles weg, was wertvol ist (Schuhe, Tischschmuck etc.), was der Hund “finden” und untersuchen k├Ânnte
    • stellen Sie dem wachen Hund st├Ąndig neue Dinge zur Verf├╝gung (nat├╝rlich nur unter Aufsicht, damit er nichts unkontrolliert verschlucken kann), die er untersuchen darf: Verpackungen aus Pappe, Plasteflaschen, alte Schuhe, usw.
    • pr├Ąparieren Sie Dinge, um diese noch interessanter zu machen und um mal einen Moment Ruhe zu haben wie folgt:

 

  1. verstecken Sie in Verpackungen (Eierkartons o. ├Ą.) Leckerchen
  2. verknoten Sie alte Jeanshosen, stecken Sie in die Knoten Leckerchen
  3. geben Sie ihm gef├╝llte Kongs oder Trockenkauartikel (bitte keine aus gepresster Haut)
  4. wenn Sie einen Garten haben, verteilen Sie im Garten Leckerchen, oder auch die ganze Mahlzeit



Es gilt, Zeit zu schinden

Hinweis:
Lassen Sie Ihren Hund nicht ohne Aufsicht, wenn er irgend etwas mit den Z├Ąhnen bearbeiten darf, denn es besteht immer die Gefahr, dass er Teile verschluckt, die den Verdauungstrakt verstopfen k├Ânnten.

 


Umwelt-Abenteuer

So ein kleiner Kerl muss die Welt erobern, erkunden, erforschen. Beeilen Sie sich, Sie haben nur begrenzt Zeit. Die Grenze wird von der so genannten “Sozialisierungsphase” gesetzt.┬áSie beginnt mit ca. 4 – 6 Wochen und endet mit ungef├Ąhr 3 – 5 Monaten, das ist bei jedem Hund unterschiedlich. In dieser Zeit begegnet der Hund neuen Dingen mit relativ gro├čer Neugier und noch wenig Angst. Diese Zeit m├╝ssen Sie nutzen, sonst ist sie unwiederbringlich verloren.

 

In dieser Zeit sollte der Hund so ungef├Ąhr alles das kennenlernen, vorsichtig und positiv, was zu seiner belebten und unbelebten Umwelt geh├Ârt oder mal geh├Âren soll.

Gehen Sie mit ihm in Wildparks, damit er verschiedene Tiere kennenlernen kann. Gehen Sie mit ihm in Kaufh├Ąuser in die Innenstadt, und lassen Sie ihn gucken. Zeigen Sie ihm schreiende Kinder, Rollst├╝hle, Leute mit Kr├╝ckstock, Stra├čenbahnen, Leute mit Kapuzen, Fahrst├╝hle und Rolltreppen ….

Lassen Sie ihn alles aufsaugen, nie wieder ist ein Hund so aufnahmef├Ąhig wie in diesem Alter.

Passen Sie dabei aber auf, dass Sie den kleinen Kerl nicht ├╝berfordern.

 

Daneben muss es aber auch die gro├če Freiheit geben, die gemeinsame Erkundung. Ewiges laufen bzw. Kilometer schrubben an der Leine, sogenanntes “Gassi gehen” ist v├Âllig ├╝berfl├╝ssig f├╝r Welpen. Nehmen Sie ihn statt dessen, packen Sie ihn ins Auto oder klemmen Sie ihn sich unter den Arm, und gehen Sie dorthin, wo er sich mit Ihnen zusammen frei bewegen kann, wo er rennen und schn├╝ffeln kann, wo er die Umwelt frei und ohne Tabus erforschen kann – auf einer Wiese, in einen Wald.

Die Strecken an der Leine sollten die Ausnahme sein.




Ruhig Blut

Je l├Ąnger ich mich mit der Erziehung von Hunden besch├Ąftige, umso zentraler sehe ich die eine Aufgabe:

 

Hunde m├╝ssen von Beginn an lernen, mit stressigen und f├╝r sie frustrierenden Situationen umzugehen.
Sie m├╝ssen und k├Ânnen es lernen, Langeweile auszuhalten.
Sie m├╝ssen und k├Ânnen es lernen, dass Sie nicht immer alles gleich und sofort bekommen, was sie wollen.
Sie m├╝ssen und k├Ânnen es lernen, auf begehrte Dinge zu verzichten bzw. diese zu ÔÇ×teilenÔÇť.

 

Und das alles OHNE Korrektur und Bestrafung!

 

Wann immer ich es mit problematischem Verhalten von ├Ąlteren Hunden zu tun habe, so sind die Hauptursachen meistens in den Bereichen der mangelnden Impulskontrolle und / oder der zu geringen Frustrationstolleranz zu finden.

Hunde, die das nicht gelernt haben, werden schnell w├╝tend und / oder aggressiv, wenn sie nicht sofort das bekommen k├Ânnen, was sie sehr begehren wie:

    • sofortiges Spiel oder Kontakt mit Artgenossen oder bekannten Menschen
    • sofortige Action auf dem Hundeplatz oder ├Ąhnlichen Orten
    • Spielzeug, Leckerchen, wenn Menschen so etwas in der Hand haben
    • Spielzeug / Futter, das andere Hunde bekommen haben;

 

Viele, so genannte, Fachleute greifen dann schnell und gerne zu Hilfsmitteln wie Stachelw├╝rger oder anderen, oft k├Ârperlichen Strafma├čnahmen.

Ein gutes Beispiel ist eine Situation, in der Hunde, die es gewohnt sind, beim Anblick von befreundeten Hunden oder Menschen sofort hinst├╝rmen zu d├╝rfen, das pl├Âtzlich nicht k├Ânnen, weil sie angeleint sind. Dieser Frust wandelt sich in sehr sehr vielen F├Ąllen in Wut und Aggression um, und wir haben ganz schnell einen Leinenp├Âbler.

Die dann folgenden, g├Ąngigen Erziehungsma├čnahmen wie:

    • den Hund an der Leine einfach weiter zerren oder
    • den Hund mit der Leine ordentlich rucken oder anschreien

f├╝hren lediglich dazu, dass die Wut und der Frust immer gr├Â├čer werden.

 

In manchen F├Ąllen, wenn man ordentlich stark ruckt und man einen sensiblen Hund hat, verschwindet das P├Âbeln eventuell, aber der Frust und die Wut bleiben. Sie haben dann an der Leine einen Hund, der ein gutes St├╝ck Vertrauen zu Ihnen verloren hat und eine tickende Zeitbombe.

 

Ein weiteres Beispiel ist die Situation, in der Sie ein St├╝ck Futter oder Spielzeug in der Hand halten. Der Hund m├Âchte es haben. Er springt Sie an und schnappt es sich. Das ist vielleicht noch bei einem kleinen Welpen lustig und frech, bei einem 40-kg Hund nicht mehr.

 

Es ist deswegen wichtig, von Beginn an, das neue Familienmitglied daran zu gew├Âhnen, dass niemals ungeduldiges Zappeln oder Schreien zum Erfolg f├╝hrt. Ruhiges, entspanntes Abwarten dagegen schon.

Typische Situationen, in denen Sie das gut ├╝ben k├Ânnen, sind:

    • Nehmen Sie den kleinen Racker auf den Arm. Will er runter, weil er rennen oder spielen will, halten Sie ihn bestimmt aber ohne Gewalt gut fest. Er darf runter, wenn er sich entspannt.
    • Wenn der Hund gef├╝ttert wird, so stellen Sie den Napf mit der einen Hand hin und halten Sie ihn mit der anderen Hand vor der Brust fest. Er darf fressen, wenn er sich ruhig verh├Ąlt.
    • Haben Sie etwas in der Hand, lassen Sie es niemals zu, dass Ihr Hund es sich nehmen kann. Er bekommt es – wenn ├╝berhaupt – dann, wenn er es nicht (mehr) einfordert. Dazu reicht es aus, wenn Sie die Hand mit der begehrten Beute einfach kurz entziehen.
    • Wenn Sie mit dem Hund unterwegs sind, bleiben Sie einfach einmal irgendwo KURZ stehen, schauen sich die Gegend an, schreiben eine sms usw.. Gehen Sie erst weiter, wenn Ihr Hund geduldig wartet, belohnen Sie dieses Warten ggf. mit Futter;

 

Eigentlich kann man alle Situationen nehmen, in denen ihr Hund irgendetwas will, wie Zuwendung, Futter, Spiel , Weitergehen … alles das bekommt nur der, der nicht einfordert und quengelt, sondern nur der, der fein und ENTSPANNT wartet.

Folgende Grundregeln sollten Sie unbedingt beachten:

    • Verzichten Sie auf jeden Fall auf verbale oder k├Ârperliche Ma├čnahmen wie Festhalten, Schimpfen oder Schreien, Schubsen, die Knie in den Brustkorb des Hundes rammen, auf die Pfoten treten … usw.
    • Entwickeln Sie eine Antenne f├╝r Ihr Unterbewusstsein, fordernde Situationen wahrzunehmen (manche Hundehalter haben unbewusst einen Mechanismus entwickelt, dass, wenn der Hund etwas fordert, er auch bedient wird).
    • Steigern Sie langsam die Schwierigkeit, z.B. die Zeit, die der Hund ruhig abwarten muss oder der Abstand zum Spielzeug oder Futter.
    • Achten Sie darauf, dass der Stress und der Frust, dem Ihr Hund ausgesetzt wird, immer noch zu bew├Ąltigen ist – nur dann kann er etwas aus diesen Situationen lernen.
    • Wenn Ihr Hund sehr aufgeregt ist, versuchen Sie, ihn durch ruhige Massagen wieder “herunterzufahren”. Ein Hund sollte unbedingt lernen, sich in stressigen Situationen anfassen zu lassen.
    • Helfen Sie ihrem Hund, sich zu beruhigen, indem Sie eventuell den Focus des Hundes etwas vom Objekt (anderer Hund) der Begierde ablenken, z. B. durch Verstreuen von Leckerchen.
    • Nutzen Sie Gelegenheiten, wenn ein zweiter Hund zur Verf├╝gung steht, Ihrem Hund beizubringen, dass auch mal der andere Hund von Ihnen gestreichelt oder gef├╝ttert wird. Erst wird der andere Hund bedient, dann der Eigene, wenn er ruhig einen Moment abgewartet hat.

 

Noch einmal zur Erinnerung:
Die gerade beschriebenen Aufgaben nehmen einen sehr zentralen Platz ein, vergessen Sie sie nicht!!!




Leben ist Lernen

 

Im Folgenden m├Âchte ich auf einige Dinge eingehen, die Sie schon dem jungen Hund ganz nebenbei und spielerisch beibringen k├Ânnen und sollten. Es wird ihm und Ihnen zuk├╝nftig helfen, besser miteinander kommunizieren zu k├Ânnen.

Hinweis:
Alles das, was der Hund zuk├╝nftig, zuverl├Ąssig tun soll, wird ihm ├╝ber Belohnung beigebracht. Nur so kann er sich das richtige Verhalten merken – weil es ja belohnt worden ist und zwar nicht nur einmal.

 


Zuverl├Ąssiges Kommen

Nutzen Sie den Folgetrieb Ihres Hundes, indem Sie sich in ungef├Ąhrlicher Umgebung z├╝gig von ihm weg bewegen. Sobald er auf Sie zukommt /hinter Ihnen herkommt, rufen Sie ihn freudig (nicht nur mit dem Namen ). Wenn er bei Ihnen ist, bekommt er eine Belohnung.(Spiel, Futter o. ├Ą.)

    • locken Sie den Hund nie mit der Belohnung heran
    • gehen Sie niemals drohend auf ihn zu bzw. rennen Sie nicht hinter Ihrem Hund her, wenn er nicht gleich kommt sondern rennen Sie weg oder verstecken Sie sich kurz

Wenn Ihr Hund nicht kommen kann, weil er gerade zu abgelenkt ist, so holen Sie ihn kommentarlos ab.




Laufen an der Leine

Fangen Sie mit kurzen Strecken an, aber diese Strecken m├╝ssen sich f├╝r den Hund lohnen. Reden Sie mit ihm, wenn er sch├Ân neben Ihnen l├Ąuft, belohnen Sie ihn mit Leckerchen. Das Ziehen an der Leine darf niemals durch Hinterherlaufen belohnt werden, besonders dann nicht, wenn vor Ihnen etwas ist, was Ihr Hund unbedingt erreichen will.
Die Hundeleine dient dazu, den Hund in seiner Bewegungsfreiheit einzuschr├Ąnken, sie ist kein Erziehungsmittel. Vermeiden Sie es deshalb, Ihren Hund mittels Leine in die gew├╝nschte Laufrichtung zu zerren oder zu rucken.




Das An- und Ableinen

Das Anlegen des Halsbandes / des Geschirrs sollte behutsam erfolgen. Am besten, Sie lenken Ihren Hund mit Leckerchen ab bzw. durch die ├ľffnung durch.
Unterwegs sollten Sie darauf achten, dass Sie Ihren Hund nicht nur immer dann rufen, wenn Sie ihn anleinen wollen.

 

Beim Anleinen achten Sie bitte darauf, dass Sie Ihren Hund nicht von oben in das Geschirr / Halsband greifen. Viele Hunde reagieren sehr sensibel auf das frontale Zugehen und “sich ├╝ber den Hund beugen” mit starkem Meideverhalten, denn es l├Âst einen Fluchtreflex aus.

Machen Sie sich statt dessen klein, hocken Sie sich hin und lenken Sie den Hund mit der einen Hand ab, indem Sie dort ein Leckerchen in der Faust verstecken. Greifen Sie dann mit der anderen Hand vorsichtig von unten in das Geschirr / an das Halsband, ├Âffnen Sie danach die Faust mit dem Leckerchen. .

Somit bringen Sie Ihrem Hund bei, dass es sich lohnt, ganz dicht an Sie heran zu kommen und sich anfassen zu lassen. Danach leinen Sie den Hund an, geben ihm ein Leckerchen und leinen ihn in 80% der F├Ąlle wieder ab.

Somit verkn├╝pft der Hund nicht, dass Anleinen = Spa├č zu Ende bedeutet, und gleichzeitig findet Ihr Hund das Anleinen sogar noch toll, denn es gibt ja eine Belohnung.

 

Ich pers├Ânlich lege gro├čen Wert darauf, dass ich bestimmte Dinge / Rituale meinen Hunden ank├╝ndige. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese Art und Weise der Kommunikation ein wichtiger Bestandteil eines vertrauensvollen Miteinander ist.

Das Anleinen ist daf├╝r ein gutes Beispiel. Ich k├╝ndige meinen Hunden ├╝ber ein akustisches Signal an, wenn sie angeleint werden. Da das Anleinen von Beginn an von einem Leckerchen begleitet wurde, freuen Sie sich dar├╝ber, wenn ich das Signal gebe und ich anschlie├čend die Leinen einklinke.

 

Ein derartiges Vorgehen l├Ąsst sich auch auf Richtungswechsel / Pfoten reinigen u. ├Ą. ├╝bertragen und erleichtert das Zusammenleben mit Hunden ungemein.

 

Beim Ableinen gehe ich ├Ąhnlich vor. Nach dem Ableinen (die Hunde bekommen nat├╝rlich mit, wenn der Haken ausgeklinkt wird) gebe ich meinen Hunden ein Leckerchen, am besten sollten die Hunde dabei sitzen. Dann sage ich “lauf” und gehe los. Damit habe ich erreicht, dass meine Hunde nach dem Ableinen nicht davon st├╝rmen sondern bei mir bleiben und mich erwartungsvoll anschauen, bis ich “lauf” sage.




An Passanten / anderen Hunden vorbeilaufen

Es ist eine sehr frustrierende Erfahrung f├╝r Hunde, wenn sie pl├Âtzlich durch die Leine daran gehindert werden, zu interessanten Objekten bzw. Subjekten hinlaufen zu k├Ânnen oder aber aus Angst vor machenden Dingen nicht weglaufen zu k├Ânnen. In beiden F├Ąllen m├╝ssen Sie Ihrem Hund helfen. Warten Sie bitte nicht, bis ihr Hund schreiend oder bellend in der Leine h├Ąngt, in welche Richtung auch immer.

 

Der erste und vielleicht wichtigste Schritt ist, dass Sie das Problem wahrnehmen, und zwar die ersten Anzeichen. Anfangs ist das Verhalten vielleicht noch niedlich oder lustig, es ist ja schlie├člich ein Welpe. Aber glauben Sie mir, sp├Ątestens in 6 Monaten lachen Sie nicht mehr dar├╝ber, dann haben Sie ein hausgemachtes Leinenproblem.

 

Damit es nicht soweit kommt, sollten Sie wirklich leckere Leckerchen mit dabei haben, und zwar immer. Sobald Sie Etwas / Jemanden erblicken, der Ihnen entgegen kommt / an dem Sie vorbei m├╝ssen, holen Sie ein Leckerchen raus und warten, bis Ihr Hund die Ablenkung (das Objekt der Begierde) auch wahrnimmt. Dann halten Sie ihm SOFORT das Leckerchen hin und konzentrieren somit Ihren Hund auf sich.

Entweder Sie gehen einige Schritte zur Seite und lassen die Anderen passieren oder aber Sie beschreiten mit Ihrem Hund zusammen einen Bogen um die Person oder um was auch immer herum. Bewahren Sie dabei immer einen so gro├čen Abstand, der Ihrem Hund die Konzentration auf Sie noch erm├Âglicht.
Sinn der ganzen ├ťbung ist es, dass

a) ├Ąngstliche Hunde lernen, Ihnen zu vertrauen weil sie ja an “Ungeheuern” vorbeikommen , wenn sie sich an Ihnen orientieren, weil Sie daf├╝r sorgen, dass Angst machende Dinge nicht zu nahe kommen und er (Ihr Hund) nicht f├╝r seine Sicherheit selbst sorgen muss (z. B. durch aggressives Verhalten);

b) ├╝berfreundliche Hunde lernen, dass es eine Alternative zu “ich will zu jedem hinst├╝rmen” gibt, n├Ąmlich Vorbeilaufen oder aber Vorbeilassen – und dass sich das auch lohnt.




Der Name

Nehmen Sie heimlich ein Leckerchen in die Hand, rufen Sie freudig einmal den Namen Ihres Hundes und werfen Sie ihm SOFORT danach das Leckerchen zu / vor die Nase / an den Kopf. Machen Sie das in unterschiedlicher Umgebung. So wird Ihr Hund bald freudig seinen Kopf herum rei├čen, wenn er seinen Namen h├Ârt.
Wenn der Hund kommen soll, rufen Sie nie nur seinen Namen, der Name bedeutet nur “ich meine dich”. Rufen Sie (zus├Ątzlich) ein entsprechendes Signal wie “Komm” oder “Hier”.




Fazit

F├╝r einen Welpen ist das Kennenlernen seiner Umwelt und das soziale Lernen viel viel wichtiger, als das Erlernen jeglicher Kommandos. Dazu haben Sie sp├Ąter noch genug Zeit. Richten Sie Ihren Focus auf die Dinge, die Ihr Hund richtig macht und best├Ątigen Sie ihn daf├╝r. Reagieren Sie nicht immer nur, wenn Ihr Hund etwas falsch macht. Die Welpenzeit ist die wichtigste, weil pr├Ągende, Zeit im Leben eines Hundes. Nie wieder ist Ihr Hund so aufnahmef├Ąhig. Lassen Sie diese Zeit nicht unn├╝tz verstreichen.

Nehmen Sie sich die Zeit, das Wesen, die Bed├╝rfnisse und die Eigenheiten Ihres neuen Mitbewohners zu erforschen.

Ich w├╝nsche Ihnen viel Spa├č und viele neue Erkenntnisse auf diesem gemeinsamen Weg.

 

┬ę Sabine Friedrich